10 Jahre „wellcome“ in Neukölln …

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... wurden am 08.10.2018 in den Räumen von LebensWelt gefeiert. In Neukölln koordiniert LebensWelt gGmbH seit nunmehr 10 Jahren wellcome - die praktische Nachbarschaftshilfe für Eltern im Bezirk, die sich im ersten Jahr nach der Geburt eines Babys Unterstützung wünschen.

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„Erste Schritte“ erhält Preis in Neukölln

„Erste Schritte“ erhält Preis in NeuköllnIm Rahmen der Aktion HelferHerzen würdigt der dm-Drogerie-Markt lokales Engagement. In diesem Zusammenhang wurde unsere Projekt „Erste Schritte“ nominiert und erhielt ein Preisgeld von 600 €, das feierlich am 05.10.2018 in den Neukölln Arcaden überreicht wurde.

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Arbeiten bei LebensWelt als Erzieher*in

plakatArbeiten bei LebensWelt bedeutet Freundlichkeit im Umgang miteinander und die Freude an der Arbeit mit Kindern. Diese bei uns gelebte Willkommenskultur spüren Sie gleich beim Besuch unserer Kitas. Alle sind eingeladen: Kinder, Eltern, Fachkräfte - sie stehen bei uns gleichermaßen im Mittelpunkt.

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von Erik Drechsel

„Ich bin Heilpädagoge… nein, kein Heilpraktiker, Heilpädagoge, wir arbeiten unter anderem mit Menschen mit Behinderung und unser Ziel ist es, Inklusion in der Gesellschaft zu erreichen.“ „Inklusion?“ Mein Gesprächspartner verdreht die Augen. „Inklusion? Also ihr wollt behinderte Kinder in normale Schulen stecken? Das halte ich für völlig unrealistisch!“



Solche Situationen begegnen mir immer wieder, wenn ich mich mit anderen Menschen über meinen Beruf unterhalte. Inklusion ist mittlerweile zum Schlagwort für ein Problem im Bildungssystem geworden. Ist die Diskussion gegenwärtig zwar vor Herausforderungen vor Themen wie Migration und Regierungsbildung in den Hintergrund gerückt, so gab es jedoch eine lange Zeit viele Diskussionsrunden in den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern sowie ausführliche Artikel und Berichte in den gängigen Tageszeitungen. Diskutiert wurde „Inklusion“. Besprochen wurde dabei jedoch meist die Frage, ob Kinder mit Behinderungen gemeinsam mit Kindern ohne Behinderung eine Schule besuchen sollten. Ausgelöst wurde diese Debatte von der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention durch die BRD im Jahr 2009, welche in Artikel 24 Menschen mit Behinderung ein gleiches Recht auf Teilhabe am allgemeinen Bildungssystem zusichert. Seitdem versuchen die Länder, dieser Verpflichtung in ihren jeweiligen Schulsystemen nachzukommen.

Doch ist es wirklich das, worum es bei Inklusion geht? Die Beschulung von Kindern mit Behinderung in Regelschulen? Ist Inklusion so eng verknüpft mit Schule und Menschen mit Behinderung? Oder reicht der Begriff nicht viel weiter?

Abgeleitet vom lateinischen Verb includere (einlassen, einschließen) steht der soziologische Begriff Inklusion zunächst für eine Gesellschaft, in der jeder Mensch gleichberechtigt teilhaben darf. Menschen, die durch verschiedene Faktoren bedingt nicht in die Gesellschaft eingeschlossen sind, nicht gleichberechtigt teilhaben dürfen, soll dies also möglich werden. Es ist ein allumfassender Begriff, von dem Menschen mit Behinderung auch erfasst sind, allerdings nicht nur sie. Es geht vor allem um Menschen, die ausgeschlossen werden. Das kann ein Jugendlicher sein, der nicht bei seiner S-Bahnstation einsteigen kann, weil es keinen Fahrstuhl gibt. Oder eine junge Frau, die keine Wohnung bekommt, weil ihr Familienname „Al Zaid“ ist. Ein „Muslime wollen wir hier nicht“ kann genauso ausschließend wirken wie eine wichtige Durchsage am Bahnsteig, die aber nicht auf der Anzeigetafel gezeigt wird, weshalb der taube Mann lang stehen wird, um zu merken, dass die Bahn nicht mehr kommen wird. Und dann gehören dazu natürlich auch die Anforderungen der Schule, die verhindern, dass ein kleines Mädchen mit Down-Syndrom und geistiger Behinderung gemeinsam mit den anderen Schülerinnen und Schülern lernen kann.

Auf dem Weg zur inklusiven Gesellschaft geht es vor allem um Barrieren. Herauszufinden, welche Barrieren den Menschen mit ihren verschiedensten Eigenschaften im Weg stehen und diese aus dem Weg zu räumen, ist das Ziel. Sie sind nicht immer aus Beton gegossen, sondern manchmal nicht so leicht zu erkennen. Wenn eine Barriere unsichtbar ist, ist sie schwerer zu identifizieren. Eine Treppe fällt leichter auf, als eine Internetseite, die ein blinder Mensch nicht lesen kann. Der Bordstein wirkt eher wie ein Hindernis, als die Barrieren in unseren Köpfen, die uns sagen, dass man mit behinderten Menschen nicht so viel anfangen kann.

Ein bedeutender Grund, warum diese Barrieren immer noch existieren und aufrechterhalten werden, ist ein stark normativ geprägtes Menschenbild. Es gibt demnach „normale“ Menschen und solche, die von der Norm abweichen. Das sind dann „die Anderen“. So gesehen ist es nur wichtig, dass die große Masse der „normalen“ Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben darf, denn es sind ja nur Minderheiten, die „anders“ sind und die man deshalb vernachlässigen darf. Ein Grundsatz inklusiven Denkens ist jedoch, dass es normal ist, verschieden zu sein. Das, was alle Menschen in der Gesellschaft verbindet, ist ihr Menschsein. Das ist der wirkliche gemeinsame Nenner, der uns alle gleichmacht. Wir alle sind Menschen, aber unsere individuellen Begabungen, Interessen, Ansichten, Meinungen, Fähigkeiten und auch unsere Schwächen sind sehr verschieden. Diesen Grundsatz ist es wichtig, anzunehmen: Alle sind sich gleich. Alle sind verschieden. Und das ist normal.

Warum schaffen wir es also nicht, beispielsweise in unseren Schulen Voraussetzungen zu schaffen, die dieser normalen Verschiedenheit Rechnung tragen und alle Kinder entsprechend ihrer Fähigkeiten und individuellen Eigenschaften mit einbeziehen?

Das deutsche Schulsystem ist bisher eigentlich in viele verschiedene „Sonderschulen“ unterteilt. Gymnasien, Real-, Haupt- und Förderschulen sind unterteilt nach der Leistung, die die Schülerinnen und Schüler bringen können. Wenn nun ein Kind mit einer geistigen Behinderung auf eine Regelschule gehen soll, wohin soll es gehen? Auf keiner der Schulen kann es die Anforderungen erreichen, die aber eigentlich Voraussetzung dafür sind, dort aufgenommen zu werden. Dies führt zu Frustration. Bei den Lehrern und Lehrerinnen, die mit der Herausforderung eines geistig behinderten Kindes in der überfüllten Klasse überfordert sind, bei Eltern, die nicht zufrieden mit der Bildung für ihr Kind sind und bei den Menschen, die Schule inklusiv machen wollen, das System sie aber daran hindert.

Was an der Schule deutlich wird, ist auch in der Gesellschaft erkennbar: Der Wert von Menschen wird oft noch an ihrer Leistungsfähigkeit gemessen und nicht an ihrem Menschsein. Wenn Menschen mit Behinderung zum Beispiel nur in einen Betrieb aufgenommen werden, wenn sie die Norm des Produktionsplans einhalten können, werden viele Menschen niemals eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt bekommen. Wenn in Unternehmen nur junge, dynamische MitarbeiterInnen eingestellt werden, sinken die Chancen älterer Menschen, bei Verlust ihrer Arbeitsstelle wieder aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen.

Was brauchen wir also, um die Gesellschaft zu einer inklusiveren zu gestalten?
Menschen mit geistiger Behinderung können ihre Behinderung nicht auflösen, um die Anforderungen der Regelschule zu schaffen, Menschen, die aus anderen Ländern nach Deutschland gekommen sind, können diese Herkunft nicht ablegen, alte Menschen können sich nicht jünger machen. Es sind die gesellschaftlichen Umstände, die an die Vielfalt der Menschen angepasst werden müssen, um alle mit einzubeziehen. Im Bereich der Schule würde das heißen, gleiche Leistungsanforderungen und Lernziele für alle Schüler*innen durch individuelle zu ersetzen und Konzepte zu erarbeiten, die gemeinsame Lerngegenstände auf unterschiedliche Weise an unterschiedliche Schüler*nnen vermitteln. An vielen Schulen wird daran gearbeitet und es wurde schon viel erreicht. Allerdings würde ein einheitliches, nicht nach Leistung gegliedertes Schulsystem dabei unterstützend wirken.

Die Schulzeit ist jedoch nur ein Abschnitt im Leben eines Menschen. Wenn diese vorbei ist, bleiben vielleicht noch bis zu 60 oder 70 Lebensjahre, in denen er ebenso am gesellschaftlichen Leben teilhaben darf und will. In dieser Zeit will er arbeiten, vielleicht eine Familie gründen, reisen, Hobbys nachgehen, die Freizeit genießen. Das Leben besteht nicht nur aus Schule. Und deshalb darf Inklusion nicht nur als Schulaufgabe gedacht werden, sondern muss alle Lebensbereiche einschließen. Es ist keine Idee nur für Menschen mit Behinderung und Schule, es ist ein gesellschaftliches Ziel, das alle etwas angeht. Es ist ein Akzeptieren der Realität, dass wir so unterschiedlich sind, dass man uns nicht in verschiedene Schubladen packen kann, sondern dass wir uns alle in einem riesengroßen Raum der Vielfalt befinden.

Eine wunderschöne Vielfalt, in der wir doch alle gleich sind: Als Menschen.

von Erik Drechsel

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